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William S. Burroughs - Enzyklopädie

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William S. Burroughs

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William S. Burroughs zählt zu den wichtigsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Er war ausserdem ein echter Drogen-Liebhaber. Er würde auch zu den grössten Psychonauten zählen, wäre da nicht seine zwiespältigen Gefühle für Psychedelika.

William Burroughs signiert ein Buch

Frühe Jahre

William Seward Burroughs II wurde am 5. Februar 1914 in St. Louis geboren. Seine Familie war vermögend, da sein Grossvater, nachdem er benannt wurde, der Erfinder einer Addiermaschine und Gründer der Burroughs Company war, die sich später in eine führende Kraft in der Computer-Welt entwickeln sollte. Der junge Burroughs hatte bereits eine Gabe zum Schreiben und schien sich auf dem Weg zu einem normalen Leben zu befinden, als er auf die Harvard Universität ging, um dort Englisch und später Anthropologie zu studieren. Während des 2. Weltkrieges gelang es ihm nicht, sich für die Armee einzuschreiben und er begann sich in Drogen zu versuchen. Zu diesem Zeitpunkt lernte er Jack Kerouac und Allen Ginsberg kennen. Das bezeichnete den Beginn einer Freundschaft, die massive kulturelle Auswirkungen haben sollte.

Junkie

Nach dem Krieg bereiste Burroughs, der zu einem hauptberuflichen Heroin-Junkie und Teilzeit-Dealer geworden war, die verschiedenen Kontinente. Er traf seine zweite Frau Joan Vollmer während des Krieges. Auch sie stand auf Drogen, jedoch tendierte sie eher zu Benzedrin (was damals im Prinzip legales Amphetamin war). Sie begannen eine turbulente Beziehung und bekamen sogar einen Sohn (der selbst auch Schriftsteller werden sollte). Der Drogen-Lebensstil holte Burroughs ein und er entschied sich nach Mexiko zu ziehen. Das Heroin hatte ihn desinteressiert für Sex gemacht, aber ohne die Droge begann sich Burroughs latente Homosexualität zu manifestieren, was zu einer Belastung für die Beziehung wurde. Dies führte schliesslich zum berüchtigten William Tell Vorfall. Eines Nachts, als beide betrunken waren, holte Burroughs seine Pistole heraus und sagte seiner Frau, dass es Zeit sei füh ihren “William Tell Akt”. Vollmer stellte daraufhin ein Glas auf ihren Kopf und obwohl Burroughs ein erfahrener Schütze war, zielte er zu niedrig und tötete sie.

Mittels Bestechung wurde Burroughs erst mit viel Verspätung verurteilt. Aber da war er bereits in die Vereinigten Staaten zurückgekehrt. Burroughs interpretierte den Mord später als Schlüsselereignis in seinem Leben und behauptete, dass er nie Schriftsteller geworden wäre, hätte dieses Ereignis nicht stattgefunden. Obwohl er bereits die meisten Manuskripte für seinen Roman Junkie abgeschlossen hatte und von Ginsberg dazu überzeugt worden war. Junk (später Junkie) wurde 1953 unter seinem Pseudonym William Lee veröffentlicht. Heutzutage zählt das Werk zu den Klassikern der Drogenliteratur, ein äusserst akribischer Blick auf das Leben eines Heroinabhängigen. Damals war das Thema Sucht Tabu und das Buch wurde in einer Reihe mit billigen Taschenbüchern veröffentlicht, die sich hauptsächlich mit Detektiv- und Kriminalromanen beschäftigte. Das Buch blieb unentdeckt bis Burroughs ein berühmter experimenteller Schriftsteller wurde.

Später Ruhm

Nachdem er immer unterwegs oder auf der Flucht gewesen war, liess sich Burroughs schliesslich in Tangier nieder. Diese marokkanische Stadt war perfekt für ihn: Männer und Drogen waren immer verfügbar. Hier begann er einen Roman unter Einfluss von Cannabis (und vor allem der marokkanischen Süssware Majoun) und einer Reihe von Opiaten zu schreiben. Das Ergebnis war ein halluzinatorischer Text, der erst durch den Besuch von Kerouac und Ginsberg Form annahm. Der Inhalt und Stil von dem was später Naked Lunch genannt werden würde, waren so radikal, dass nur das Pariser Verlagshaus Olympia Press, spezialisiert auf „nicht veröffentlichbare Bücher“, das Buch akzeptierte. Glücklicherweise für Burroughs wurde das Buch zu einem Skandal und in den USA aufgrund seiner obszönen Sprache verboten. Letztendlich wurde das Verbot aufgehoben während Burroughs zu einer Art Literatur-Star geworden war. Naked Lunch und Folgeveröffentlichungen, wie The Ticket That Exploded (1962) und Nova Express (1964), waren sehr beliebte Bücher in der Zeit der Gegenkultur der Sechziger. Burroughs, der bereits fünfzig war und immer einen Anzug trug, wurde als etwas skurriler Wortführer gefeiert. Dieser Status wurde mit seinem Auftritt auf dem legendären Cover von Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band der Beatles einzementiert.

Beziehung zu Drogen

Burroughs nahm den Grossteil seines Lebens Drogen ein und schaffte es von seiner Heroinsucht in den frühen 1970er Jahren wegzukommen, wobei er schliesslich wieder rückfällig wurde. Zum Zeitpunkt seines Todes war er auf einer Methadontherapie. Er blieb immer interessiert an der Vielfältigkeit der Drogenerfahrungen und wie Substanzen mit Körper und Geist zusammenwirken. Drogen sollten schliesslich zu einem Teil eines grösseren Kontrollsystems werden, was den Antiautoritären Burroughs vergebens faszinierte. Burroughs war ein Libertärer mit einer paranoiden Sicht auf die Regierung, die darauf aus war, Freiheiten auf verschiedenen Ebenen einzudämmen. In den frühen 1950er Jahren führte ihn sein anthropologisches Studium in Zusammenhang mit seinem Interesse für bewusstseinsverändernde Substanzen zu einer siebenmonatigen Expedition in den Amazonas Regenwald. Er begab sich auf die Suche nach Yagé, das heutzutage unter dem Namen Ayahuasca bekannt ist, hauptsächlich weil er hoffte, dass es ihn von seiner Sucht befreien würde. Seine Erfahrungen werden in The Yage Letters beschrieben, einer Sammlung seiner Notizen und der Briefe, die Burroughs an seinen Freund Ginsberg geschickt hatte. Burroughs war beeindruckt von der Kraft Ayahuascas, von dem er glaubte, dass es ganz anders sei als jede andere Droge. Und in typischer Burroughs Paranoia dachte er, dass der Assistent des curandero darauf aus war, ihn zu töten.

Burroughs enzyklopädisches Wissen war in den 1960er Jahren sehr willkommen, als Therapeuten, Wissenschaftler und Gurus versuchten, einen Weg zu finden, um LSD legal zu halten. Natürlich versuchten die Behörden, LSD mit Sucht zu assoziieren. Das erklärt warum er 1964 im Buch LSD The Conscious-Expanding Drug einen eher überraschenden Auftritt machte. In Gesellschaft von berühmten Psychonauten, wie Timothy Leary, Alan Watts und Humphry Osmond, gibt er eine nüchterne Erklärung über den Unterschied zwischen Suchtgiften und bewusstseinserweiternden Substanzen. Burroughs hatte ein realistisches, keineswegs romantisches Bild von Drogen. Er mochte beispielsweise Cannabis zum Schreiben und dafür, dass es ihm unterschiedliche Sichtweisen bot, lehnte aber die Idee der Inspiration durch Drogen ab.

William Burroughs auf dem Set von Naked Lunch

Einflüsse

Die Einflüsse von Burroughs sind fast unmessbar. Irgendwie wandte er die modernistischen Freiheiten von James Joyce mit einem tollen Sinn für Humor und ohne Angst davor, Tabuthemen zu besprechen, an. Er führte ausserdem eine neue Methode in das Schreiben ein, die unter dem Namen Cut-Up bekannt wurde. Der Autor zerschnitt dabei seinen Text und ordnete die Stücke anders an, um neue Kombinationen und Bedeutungen zu finden. Viele seiner berühmten Bücher lesen sich wie avantgardistische Science-Fiction und sein Einfluss auf Autoren, wie J.G. Ballard, William Gibson und Robert Anton Wilson, ist unbestreitbar. Kein Schriftsteller hatte so viel Einfluss auf die Pop-Kultur wie Burroughs. Steely Dan benannten sich nach einem Dildo in Naked Lunch, David Bowie wandte die Cut-Up Methode bei vielen seiner Lieder an, während Patti Smith, Laurie Anderson und Kurt Cobain alle von seinen Schriften beeinflusst waren. Burroughs machte manchmal Auftritte in Videos (Ministry’s ‘Just One Fix’) und arbeitete sogar mit Musikern für das Album Dead City Radio (1990) zusammen, auf dem er Text mit seiner unnachahmlichen Stimme, begleitet von der Musik von Künstlern, wie Sonic Youth, Donald Fagen und John Cale, vorliest. Burroughs machte einen Überraschungsauftritt im Film Drugstore Cowboy (1989) und im Jahr 1991 versuchte der kanadische Horror-Produzent David Cronenberg eine Adaption von Naked Lunch zu verfilmen. Eine wortgetreue Filmversion wäre unmöglich gewesen, aber Cronenberg mischte das Buch geschickt mit autobiographischem Material und schaffte es dennoch einen einzigartigen und trippigen Film zu produzieren.

William Burroughs starb am 2. August 1997 an einem Herzinfarkt im Alter von 83 Jahren. Er wurde im Familiengrab begraben. Unter seinem Namen, seinem Geburts- und Sterbedatum steht nur „Amerikanischer Schriftsteller“.

Ausgewählte Bibliographie

Romane

    • Junkie (1953)

    • Naked Lunch (1959)

    • The Soft Machine (1961)

    • The Ticket That Exploded (1962)

    • Nova Express (1964)

    • The Wild Boys: A Book of the Dead (1971)

    • Cities of the Red Night (1981)

    • The Place of Dead Roads (1983)

    • The Western Lands (1987)

    • Interzone (1989)

    • My Education: A Book of Dreams (1995)

Sachliteratur

    • The Yage Letters (1963)

    • The Job: Interviews with William S. Burroughs (1969)

    • The Electronic Revolution (1971)

    • The Adding Machine: Collected Essays (1985)

 



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