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Timothy Leary - Enzyklopädie

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Timothy Leary

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Timothy Leary (1920-1996) ist einer der berühmtesten Psychonauten des 20. Jahrhunderts. In den 1960ern stiessen Europäer und Amerikaner erstmals auf natürliche Psychedelika, wie Pilze und Kakteen. Eine Vielzahl an beeindruckenden Büchern und Artikeln wurde über ihre Erfahrungen mit diesen Substanzen verfasst. Timothy Leary war einer dieser Pioniere, Forscher und Schreiber. Neben anderen Personen müssen wir vor allem auch Leary für das weit verbreitete Wissen zu diesem Thema und den Start der psychedelischen Revolution danken.  

Leary war jedoch auch ein sehr respektierter Psychologe. Als Folge seiner eigenen Erfahrungen wurde er später zu einem Befürworter der Verwendung von Psychedelika in therapeutischen Sitzungen. Nicht alle waren genauso begeistert von diesen Ideen. Manche sahen ihn als Helden, während andere ihn für einen Kriminellen hielten. Leider gehörten die Behörden zu letzterer Gruppe. Das hatte zur Folge, dass Leary mehrere Jahre im Gefängnis verbringen musste. In diesem Artikel wollen wir Learys Leben, seine Philosophie und andere bemerkenswerte Dinge, die er tat, behandeln.

Das Leben Learys vor den Drogenexperimenten

Leary wurde in Springfield, Massachusets, geboren. Seine Eltern trennten sich als er vierzehn Jahre alt war. Nach der Mittelschule studierte er zwei Jahre lang am "College of the Holy Cross" in Worcester, einer sehr strikten Jesuiteneinrichtung. Unter dem Druck seines Vaters wechselte er die Schule und ging zur "United States Military Academy" in New York. Leary erging es nicht gut in der strikten Hierarchie dieses Instituts und er verliess es nach einem Jahr wieder. Dieses Mal wollte er nicht dem Willen seiner Familie folgen und schrieb sich an der Universität von Alabama ein. Bald wurde er zu einem der besten Studenten und erlangte im Jahr 1943 den Bachelor-Titel in Psychologie. 

Danach wurde Leary in die Armee eingezogen. Aufgrund seines hohen Intellekts musste er nicht in den Krieg ziehen, sondern wurde auf einer Basis in New York stationiert. Er nahm an einem speziellen Programm Teil, bei dem Soldaten mit besonderen Talenten eine Ausbildung auf Universitätsniveau gegeben wurde. Er studierte zwei Monate in Georgetown und sechs Monate in Ohio. Leary erhielt verschiedene Auszeichnungen für seine Arbeit als Forscher für die amerikanische Armee.

1945 heiratete Leary seine erste Frau. Ein Jahr später verliess er die Armee. Er schloss sein Psychologiestudium von zu Hause aus ab und erlangte seinen Master-Titel an der "Washington State University". Er und seine Frau erhielten eine Tochter und zwei Jahre später wurde ihr Sohn geboren. In der Zwischenzeit führte er Werbeforschungen an der "Washington State" durch. Leary erhielt 1950 seinen Doktortitel. Tragischerweise viel seine Frau in eine ernsthafte Depression und begann schwer zu trinken. Im Jahr 1955 beging sie Selbstmord. Selbstverständlich war Leary am Boden zerstört. Er beschrieb sich selbst in diesem Zeitraum als “anonymen institutionellen Angestellten, der jeden Tag in einem langen Pendlerzug in die Arbeit fuhr und jeden Abend nach Hause kam und Martinis trank... wie viele Millionen liberale, intellektuelle Mittelklassenroboter”.

Bis 1955 arbeitete er als Assistent in Berkley. Im Jahr 1957 wurde sein erstes Buch mit dem Titel “The Interpersonal Diagnosis of Personality” veröffentlicht. Das Magazin "Annual review of psychology" zeichnete es als bestes Psychologiebuch des Jahres aus. In diesem Buch beschreibt er eine Reihe psychologischer Tests, die er selbst entwickelt hatte, u.a. jener weit verbreitete mit dem Namen Leary’s Rose. Dabei handelt es sich um einen Test, um Einsicht in Gruppendynamiken zu erhalten, wodurch es einfacher wird, herauszufinden, welche Verhaltensart in bestimmten Gruppen die effektivste ist. Leary war ohne Zweifel ein grossartiger und sehr respektierter Psychologe. 

Learys erste psychedelische Erfahrungen

Am 13. Mai 1957 erschien im "Life Magazine" ein Artikel. Dieser Artikel war von R. Gordon Wasson, geschrieben und trug den Titel “Seeking the magic mushroom”. Er beschrieb eine psychedelische Erfahrung, die Wasson hatte als er an einer Mazatec Pilz-Zeremonie in Mexiko teilnahm. Das war die erste Veröffentlichung zu Psychedelika in der westlichen Kultur. Bei vielen Leuten, unter ihnen Timothy Leary, weckte das grosses Interesse und sie reisten nach Mexiko. Die Erfahrungen, die er durch den Konsum von psychedelischen Pilzen erlebte, hatten einen grossen Einfluss auf ihn.

Psychedelika als therapeutisches Hilfsmittel

Sobald er 1960 nach Amerika zurückkehrte, gründete er zusammen mit Richard Alpert das "Harvard Psilocybin Project", um die Wirkung von Psilocybin zu erforschen. Dazu verwendeten sie Häftlinge. Die Forschungsergebnisse zeigten, dass nur 20% der Häftlinge, die mit Psychedelika behandelt wurden, nach der Freilassung rückfällig wurden. Das ist eine viel niedrigere Rate als der Durchschnitt in den USA, der damals bei 60% lag. Die Ergebnisse von Learys Forschungen waren erfolgversprechend. Jedoch wurden diese Ergebnisse später von anderen Forschern angezweifelt, die meinten, dass Leary bei der statistischen Auswertung nicht korrekt gearbeitet hatte.

Forschung nach religiösen Erfahrungen

Neben Psychedelika als therapeutisches Hilfsmittel, untersuchte Leary auch die mystischen Erfahrungen auf Psychedelika. Zusammen mit Walter Pahnke führte er das "Good Friday" Experiment durch. An einem Karfreitag erhielt eine Gruppe von Theologiestudenten in der Boston Chapel eine Dosis Psilocybin oder eine Placebo Substanz. Die Placebo Substanz enthielt Nikotinsäure, die Lichtpulsierungen im Gesicht verursacht und eine leicht stimulierende Wirkung hat, aber sonst keine psychedelische Wirkung zeigt. Danach berichteten neun der zehn Teilnehmer, die Psilocybin eingenommen hatten, dass sie religiöse Erfahrungen erlebt hatten. Im Nachhinein zeigte es auch, dass es für einige eine derartig intensive Erfahrung gewesen war, dass diese auch eine grosse Auswirkung in deren restlichen Leben hatte.

Aus der Placebo Gruppe behauptete nur eine einzige Person, eine mystischer Erfahrung erlebt zu haben. Das zeigt, dass Psilocybin zu religiösen Erfahrungen führen kann.

Förderung von LSD

Leary war ausserdem ein grosser Förderer der Verwendung von LSD in therapeutischen Sitzungen. Er meinte auch, dass jeder wichtige Erkenntnisse durch die Einnahme von LSD erzielen kann. Learys berühmtestes Zitat ist: "Turn in, turn on, drop out". Er wurde immer mehr davon überzeugt, dass LSD eine echte Veränderung in der Welt zuwege bringen könnte, indem es den Leuten zeigte, wie steif die westliche Gesellschaft sei. Er dachte, wenn jeder LSD einnehmen würde, würde daraus eine Revolution entstehen. Dadurch wollten viele Leute, vor allem Studenten, LSD einnehmen.

Leider kamen auch Situation vor bei denen Menschen Psychosen erlitten oder etwas gefährliches während des Trips taten. Leary betonte deshalb, dass „Set und Setting“ sehr wichtig seien. Damit meinte er, dass man sich in einem guten Gemütszustand befinden muss, wenn man LSD einnimmt. Er glaubte, dass Menschen mit Depressionen kein LSD einnehmen sollten, da dies zu einer Verschlechterung der Symptome führen könnte. Darüber hinaus ist eine sichere und angenehme Umgebung sehr wichtig. Ungeachtet seiner guten Ratschläge, konnte er einige Unfälle nicht verhindern.

Das Ende des legalen LSDs

Im Jahr 1969 wurde die USA von den schrecklichen Manson Family Morden getroffen. Angeblich übten einige Mitglieder dieses Kults die Morde auf LSD aus. Ausserdem wurde eine Studie durchgeführt, die meinte, dass LSD die Chromosomen des Menschen ändern würde. Leider hatte es diese Falschinformation bereits auf die Titelseiten der Zeitungen geschafft. Viele junge Leute sahen ausserdem, auch durch Leary beeinflusst, keinen Sinn mehr darin, in Fabriken zu arbeiten, zu studieren oder an einer Karriere zu arbeiten und bereisten die Welt in Volkswagen Bussen. Es dauerte dann nicht mehr lange bis LSD von der Regierung verboten wurde.

Dem Trimbos Institute zufolge ist LSD jedoch viel weniger gefährlich als beispielsweise Alkohol. Die Chance auf einem LSD-Trip „hängen zu bleiben“ ist nur sehr klein. Wenn es um das Auslösen von Psychosen geht, ist Cannabis ein grösseres Problem als LSD: Deshalb bleibt die Frage, ob es darum ging die Bevölkerung zu beschützen oder die Behörden einfach ihre eigene Position schützen wollten.

Verurteilung und Flucht

Im Jahr 1970 wurde Leary für den Besitz einer kleinen Menge Cannabis und LSD verhaftet. Normalerweise wäre dieses Vergehen nur mit einer maximalen Strafe von sechs Monaten Gefängnis zu bestrafen. Leary bekam jedoch 30 Jahre Gefängnis. Im Gefängnis wurde er mit einem psychologischen Test untersucht, den er selbst entworfen hatte. Leary schien keine psychologischen Probleme zu haben und wurde deshalb in ein Gefängnis mit offenem Vollzug verlegt. Von dort floh er fast unmittelbar und setzte sich in die Schweiz ab.

Dort traf er Albert Hoffman. Hoffman mochte Leary und hielt ihn für einen sehr intelligenten Mann. Aber er fand ihn auch sehr provokativ, was oft vom eigentlichen Thema ablenkte.

Nach drei Jahren wurde Leary von der American Drugs Enforcement Agency (DEA) gefasst und zurück in die USA gebracht, wo er wieder ins Gefängnis gesteckt wurde. Im Jahr 1976 wurde er entlassen. Danach gab Leary zwar immer wieder Vorträge auf der Universität, aber sein Ruf als Professor war so weit zerstört, dass er keine Forschungsarbeit mehr durchführen könnte.

In den Medien

Wie Hofman auch erwähnte, war Leary ein guter Unterhalter. Nachdem er aus dem Gefängnis entlassen worden war, meinten viele, dass seine Vorträge eher einer Nachtclub-Unterhaltung glichen als einem Vortrag mit bildendem Wert. Trotzdem war er immer noch extrem beliebt unter Psychonauten. Deshalb verschlug es ihn nach Hollywood, wo er den Grossteil seiner Zeit im Internet verbrachte und Videos erstellte. Viele dieser Videos können auch heute noch im Internet gefunden werden.

Er schrieb ausserdem eine beeindruckende Anzahl von 35 Bücher und viele seiner berühmten Zitate wurden in Liedtexten verwendet. Nach seinem Tod schrieben The Moody Blues ein Lied über ihn mit dem Titel “Legend of a mind”.

Cyberspace – Eine neue Faszination

Heute kann man sich nur schwer vorstellen, dass vor 25 Jahren fast keiner Zugang zum Internet hatte. Es gab keine Online-Suchmaschine. In diesem frühen Zeitalter wurde das Internet “cyberspace” genannt. Leary war fasziniert von der digitalen Welt und verglich das Bereisen des Cyperspace mit einem LSD-Trip. Heutzutage ist das Internet zu so einem offensichtlichen Bestandteil unserer Existenz geworden, dass der Vergleich mit einem Acid-Trip nicht realistisch ist. Damals jedoch, hatte das Internet eine magische Wirkung auf Leary und es inspirierte ihn, ein Programmierer zu werden. 

Learys letzter Trip

Am Ende seines Lebens litt Leary unter Prostatakrebs. Er nahm seinen Todeskampf auf Video auf und stellte es ins Internet. Anfangs meinte er, dass das Sterben der faszinierendste Trip seines Lebens sei. Auf dem Sterbebett schrieb er sogar ein Buch namens "Design for dying". Jede Phase seines Todes konnte im Internet, im Fernsehen und in der Zeitung verfolgt werden. Er hatte geplant, Selbstmord zu begehen, es aufzunehmen und live auszusenden. So wollte er zeigen, dass der Tod keine schlechte Sache sei.

Leary wollte auch seinen Kopf einfrieren lassen, um ihn erst dann auftauen zu lassen, wenn die Wissenschaft fähig sei, ihn mit einem neuen Körper zu verbinden, vorzugsweise dem einer „wunderschönen braunen Frau“. Das sagte er zumindest so. Er schaffte es sogar seinen Tod in etwas theatralisches zu verwandeln. Leider war es ihm nicht möglich dieses Schauspiel bis zum Ende durchzuhalten. Er wurde depressiv und hasserfüllt. Er schob seinen Selbstmord immer wieder auf. 1996 starb er in seinem Schlaf, umgeben von seinen Liebsten. Dieser Moment wurde zwar auf Video aufgenommen, aber nicht live ausgesandt.

Fazit

Wenn man Learys Leben zusammenfasst, sieht man, dass er in seinen jungen Jahren ein sehr guter Schüler war. Er erhielt mehrere Auszeichnungen für seine Arbeit in der Armee. Danach schrieb er ein wichtiges Psychologie Buch und heute lernen Psychologiestudenten immer noch seine Methoden. Für lange Zeit war er ein grossartiger, sehr respektierter Psychologie. Aber sobald Leary begann mit Psilocybin und LSD zu experimentieren und überzeugt davon war, dass LSD die Welt verändern könnte, wurde er für verrückt erklärt, eingesperrt und ignoriert.

Leider lernen die meisten Psychologiestudenten nicht, dass die „Rose von Leary“ vom gleichen Genie erschaffen wurde, der auch Experimente mit LSD durchführte. Diese zwei Teile von Learys Leben werden oft von einander getrennt behandelt, viele wissen also nicht, dass diese zwei Erkenntnisse von der gleichen Person stammen. Wenn man über den ersten Teil seines Lebens im Psychologieunterricht spricht, dann wird er als Genie gesehen. Aber wenn man über den zweiten Teil seines Lebens spricht, dann wird er als Wahnsinniger und sogar Krimineller dargestellt. Diese Polarisierung könnt einem zu denken geben, dass hier etwas nicht stimmt...



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