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Azarius

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Die Geschichte der rituellen Verwendung von Ayahuasca

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Manche glauben, es sei ein Wunder, dass die indigenen Stämme im Amazonas Ayahuasca gefunden haben. Aus tausenden von Pflanzen wählten sie genau die richtigen aus, um das halluzinogene Gebräu zu produzieren. Die Schamanen selbst meinen, dass ihnen die Pflanzen selbst gelehrt hätten, wie es gebraut wird.

Da die Leute im Amazonas analphabetisch waren, weiss niemand genau wann es begann, eine Schätzung geht jedoch davon aus, dass die Anwendung von Ayahuasca mehr als zweitausend Jahre zurückgeht.

Die erste westliche Erwähnung geht auf einige Jesuiten zurück, die 1737 den Amazonas bereisten. Sie beschrieben es als „diabolischen Trank“. Der Ethnobotaniker Richard Spruce schrieb einen etwas ausführlicheren Bericht über die Ayahuasca-Zeremonie, die er bei den Tukano Stämmen im brasilianischen Amazonas beobachtete. 1851 schickte er eine Probe der Banisteriopsis Caapi Rebe an die Royal Botanical Gardens in Kew. Dort hatten sie keine Ahnung, was sie damit anfangen sollten, deshalb dauerte es bis zum Jahr 1969, als das Material wiederentdeckt und analysiert wurde.

Die „Rebe der Seele“ erhielt in der 60er Jahren durch die Schriften von William S. Burroughs und Allan Ginsberg die westliche Aufmerksamkeit, welche unabhängig von einander die Putumayo Region (an der Grenze zwischen Kolumbien und Peru) bereisten, auf der Suche nach dem magischen Getränk. Sie korrespondierten über ihre Abenteuer in den Yagé Briefen (1963). Ungefähr zur selben Zeit bereiste der Ethnobotaniker Richard Evan Schultes aus Harvard die gleiche Region und beschrieb eine Art indigener Zeremonien, die er entweder beobachtete oder an denen er selbst teilnahm.

Am Anfang des Jahrhunderts entstanden mehrere Ayahuasca-Kirchen in Brasilien. Die erste war die Santo Daime in den 1930ern. Barquinha spaltete sich 1945 ab und die União de Vegetal (UDV) wurde 1961 gegründet. Sie waren Teil eines grösseren Prozesses der Urbanisierung von Ayahuasca im 20. Jahrhundert: das Gebräu war nicht länger den indigenen Schamanen und ihren Stämmen vorbehalten, sondern auch die Curanderos in der breiteren Bevölkerung begannen Zeremonien abzuhalten, welche die Einnahme von Ayahuasca beinhalteten.

Als die Abendländer in grösseren Mengen begannen nach Lateinamerika zu reisen, kamen sie mit diesen Traditionen in Kontakt. Seit den 90er Jahren breiteten sich die Ayahuasca-Kirchen in der Region aus. Die begeisterten westlichen Eingeweihten luden Schamanen nach Europa oder in die Vereinigten Staaten ein. Manche wurden selbst eingeweiht und manche entwickelten ihre eigene gemischte spirituelle oder therapeutische Praxis. Diese breite Palette an Verwendung von Ayahasca werden wir nachfolgend detailliert besprechen.

(Traditionelle) schmanische Anwendung

Mehr als 70 indigene Stämme, verteilt auf ein grosses geographisches Gebiet, von Kolumbien bis Bolivien, sind bekannt dafür Ayahuasca zu verwenden. Insgesamt gibt es ungefähr 40 verschiedene Namen, worunter Caapi, Natem und Yagé.

Die Zu- und Abwanderungsprozesse bzw. die Urbanisierung verursachten viele Überlagerungen zwischen den indigenen Stämmen und der breiteren Bevölkerung von Lateinamerika. Heutzutage kann man den Grossteil der Bevölkerung „mestizo“ nennen: von gemischter Herkunft und es gibt grosse Überschneidungen zwischen der indigenen und der mestizo Verwendung von Ayahuasca.

Der Anthropologe Stephan Beyer veröffentlichte 2009 eine umfangreiche Ethnographie über den amazonischen Schamanismus: Singing to the Plants. Ihm zufolge ist die Ayahuasca Rebe eine der hauptsächlich verwendeten Pflanzen von Schamanen im ganzen Amazonas.

Schamanen haben im Allgemeinen sehr enge Beziehungen mit einer breiten Palette von Pflanzen, welche sie als spirituelle Wesen ansehen. Die Pflanzen sollen ein eigenes Bewusstsein und einen eigenen Charakter haben. Ein Schamane fungiert als Medizindoktor, der viele Anwendungs- und Vorbereitungsprozeduren kennt, die von Generation zu Generation weitergegeben oder durch direkte Interaktion mit den Pflanzen gelernt werden.

Ayahuasca wird verwendet, um verschiedenste Krankheiten zu heilen, aber in Übereinstimmung mit der vielseitigen Natur des Schamanen kann es auch für Zauberei verwendet werden.

Normalerweise organisieren Schamanen wöchentlich Versammlungen, bei denen die Teilnehmer das Gebräu trinken. Während dem Ritual geht der Schamane herum und heilt die verschiedenen Teilnehmer individuell: indem er die Krankheit mit Hilfe von Pfeilen aussaugt; durch das Schütteln der Blätterbündel (Shacapa); und durch das Blasen von Tabakrauch über den Körper des Patienten. Schamanen leisten auch weitere individuelle Heilungen falls nötig.

Neben seiner Nutzung als Heilmittel wird Ayahuasca auch zur Initiation verwendet: es wird als wichtiger Lehrer für all jene gesehen, die gerne selbst Schamanen werden wollen. Die Asprianten folgen mit der Pflanze für längere Zeit einer speziellen Diät, manchmal sogar länger als ein Jahr. Das Gebräu kann auch zur Hellseherei oder für Weissagungen verwendet werden: im durch Ayahuasca eingeläuteten Zustand, kann der Schamane die Quellen der Krankheiten oder anderer Formen von Pech erkennen und verstehen, wie diese in Bezug zum Leben des Patienten stehen.

Genauso wie Ayahuasca zur Heilung verwendet werden kann, kann es auch Schmerzen zufügen. Im Amazonas wird Pech und Krankheit im Allgemeinen Zauberei zugewiesen. Es ist allgemein akzeptiert, dass die einzige Heilung für Hexerei, die von einem Schamanen angewandt wurde, eine Gegenattacke durch einen anderen Schamanen ist.

Die letzte Verwendung des Gebräus ist, um die Geister zu kontaktieren. Sie können gerufen werden, um eine Zeremonie zu begleiten oder Informationen zu liefern. Ausserdem kann ein Geist vorübergehend den Körper des Schamanen übernehmen und in seinem/ihrem Namen handeln. Währenddessen kann der Schamane in andere Dimensionen reisen, um Informationen und Visionen zu sammeln.

Mestizo Curanderos verwenden die gleiche rituelle Ausrüstung wie indigene Schamanen, obwohl individuelle Unterschiede beim Durchführen der Zeremonie oder einer Heilung sehr gewöhnlich sind. Es ist sehr wahrscheinlich, dass ein Heiler sich mit einer Palette von verschiedenen (Heil-)Methoden und (religiösen) Traditionen bekannt macht und diese in seine Praxis integriert.

Ayahuasca Kirchen

Die Ayahuasca Kirchen kombinieren Elemente des indigenen Schamanismus mit Volkskatholizismus und verschiedenen anderen Traditionen. Die grösste Ayahuasca Kirche, Santo Daime, hat viele Elemente der verschiedensten esoterischen und afrobrasilianischen Bewegungen eingebaut. Die Rituale sind relativ strukturiert: die Menschen tragen Uniformen, Männer und Frauen getrennt und wird von kunstvoller Liturgie begleitet, die hauptsächlich durch das Singen von Hymnen vertont wird.

In der União de Vegetal werden Uniformen getragen und Musik wird gespielt, aber im Gegensatz zur Santo Daime ist das gesprochene Wort ein wichtiger Teil der Zeremonie: eine Frage-Antwort Sitzung mit dem Kirchenvorsteher nimmt den Platz einer Predigt bei christlichen Messen ein.

Die Barquinha (wörtlich ‘kleines Boot’) ist die kleinste der Ayahuasca-Religionen. Sie zweigte sich 1945 von der Santo Daime ab. Das Ritual hat Elemente der katholischen Prozession, bei der die Besucher einer Statue der schwarzen Jungfrau in die Kirche folgen. Der zweite Teil der Zeremonie erinnert mehr an die afrobrasilianische Candomblé Bewegung, wo Trommeln und Tanzen verwendet werden, um einen Trancezustand einzuleiten. Dem Namen folgend ist auch das Matrosenthema sehr präsent, sowohl bei den Uniformen der Teilnehmer als auch bei der Dekoration der Kirche.

In den Kirchen wird das Trinken von Ayahuasca als Teil des religiösen Wegs gesehen. Es wird verwendet, um das Heilige zu ehren und zu feiern, um Hilfe, Heilung und Führung zu fragen oder, einer mystischen Erfahrung zu folgen, bei der der Ayahuasca-Trinker die persönliche Identität überwindet und eins wird mit Gott.

Mischformen von Ritualen

Viel Gruppen, die von Kirchenritualen oder indigenen Zeremonien inspiriert wurden, entwickelten ihre eigene Ayahuasca-Zeremonie. Es sind wirklich alle Arten von Ritualen möglich: manche Gruppen verwenden verschiedene neo-schamanische oder Eso-Techniken oder kombinieren das Trinken von Ayahuasca mit Diätvorschriften und psychotherapeutischen Behandlungen.

Die Mischformen von Ritualen, die heutzutage sowohl in Latein-Amerika als auch dem Westen durchgeführt werden, zielen hauptsächlich darauf hab, die spirituelle Suche des Suchenden zu erfüllen und haben therapeutische Gründe; Heilung und Spiritualität gehen oft Hand in Hand.

Es ist nicht unüblich, dass Götter, Heilige, mächtige Tiere, Pflanzen oder andere spirituelle Wesen angerufen werden und um Schutz und Führung gebeten werden. Die Teilnehmer können eine ganze Reihe verschiedenster Techniken wie Meditation, Atemübungen, Tänze, Trommeln und Gesang verwenden. Auch eine Vielzahl von rituellen Werkzeugen kann auf dem Altar anwesend sein: Kerzen, Blumen, Statuen von diversen Göttern und Heiligen oder dem Buddha. Oft spielt Musik eine wichtige Rolle: Musiker nehmen ihre Instrumente und fangen vor Ort zu spielen an, oder digitale Aufnahmen werden benutzt.

Die Leute versammeln sich in einem Kreis auf dem Boden, zum Beispiel um ein Feuer in der wunderschönen Natur herum. Aber die Versammlungen können auch drinnen abgehalten werden, üblicherweise in den Kirchen, man liegt auf einzelnen Matratzen. Normalerwiese wird ein Teil des Rituals in Stille verbracht, wenn es den Teilnehmern erlaubt ist nach innen zu reisen. Ausserdem gibt es Teile des Rituals, bei denen die Teilnehmer miteinander in Verbindung treten, zum Beispiel durch singen oder musizieren.

Das Teilen von Erfahrungen durch die Verwendung eines „sprechenden Stockes“ (manchmal wird dafür ein Stück der Ayahuasca Rebe verwendet) stellt einen wichtigen Aspekt der Versammlung dar. Meistens wird das Ritual von einer Person geleitet, die als Schamane fungiert, aber auch eine Gruppe von Leuten, die ein besonderes Training genossen hat und/oder ausführliche Erfahrung mit Ayahuasca hat, kann diesen Part übernehmen.

Ayahuasca als Therapieform

Zusätzlich zu spirituellen Suchenden wurden auch westliche Therapeuten von diesem Wundergetränk fasziniert. Auch sie folgen der uralten Idee, dass Ayahuasca zum Heilen verwendet werden kann. Besonders bemerkenswert ist der Fall des kanadischen Arztes Gabor Maté, der Ayahuasca in die Suchtbehandlung einbaute. Obwohl die ersten Ergebnisse vielversprechend waren, wurde seinen Bemühungen ein Riegel vorgeschoben, da Ayahuasca die verbotene Substanz DMT enthält.

Es gibt wissenschaftliche Studien über die medizinische Wirkung von Ayahuasca. Im Allgemeinen zeigen diese Studien, dass Ayahuasca keine körperlich oder psychologisch verschlechternde Wirkung hat und auch die Chance süchtig zu werden hat sich als sehr niedrig erweisen. Ausserdem wurde eine gemässigte positive Wirkung auf Verhalten, Stimmung und Einstellung gegenüber dem Leben festgestellt.

Das bis heute grösste Forschungsprojekt ist die Hoasca Studie, bei der eine Gruppe von 15 UDV-Mitgliedern mit einer ähnlichen Kontrollgruppe verglichen wurde. Obwohl einige der UDV-Mitglieder früher Alkohol- und Tabakabhängige waren und unter Depressionen und Angstzuständen gelitten hatten, zeigten sie keine Anzeichen von Sucht oder Psychopathologie mehr. Stattdessen berichteten sie von radikalen Veränderungen in ihrem Verhalten, Einstellung und Haltung gegenüber dem Leben: chronischer Ärger, Verbitterung, Aggression und Gefühle von Entfremdung verschwanden und Gefühle wie Selbstkontrolle, Verantwortlichkeit und persönliche Befriedigung nahmen zu. Die Forscher betonen, dass es nicht klar ist, welcher Teil dieser Auswirkungen auf das Ritual und den sozialen Kontext der UDV, im Vergleich zur biomedizinischen Wirkung des Getränks selbst, zurückzuführen ist.

Ayahuasca hat auch gezeigt, dass es im Feld der transpersonellen Psychologie angewandt werden kann. Basierend auf Stanislav Grofs Modelle für LSD-Therapie und holistische Atmung, bieten einige Psychologen jetzt therapeutische Sitzungen mit Ayahuasca an. Sie glauben, dass aussergewöhnliche Bewusstseinszustände, wie die direkte Erfahrung des Göttlichen, der kosmischen Einheit oder der grenzenlosen Erkenntnis, verwendet werden können, um das Leben zu bereichern und die vollkommene Natur eines Menschen zu erwecken. Obwohl es noch keine verbreitete Praxis darstellt, ist es nicht unwahrscheinlich, dass in der Zukunft immer mehr westliche Therapeuten das Ayahuasca-Gebräu in ihre therapeutischen Sitzungen einbauen.

Individuelle Anwendung

Mit der steigenden Beliebtheit von Ayahuasca, beginnen auch immer mehr Individuen mit dem Brauen des amazonischen Tees zu experimentieren. Verschiedenste Rezepte für Ayahuasca oder dessen Analoga können online gefunden werden und mit dem erforderlichen Pflanzenmaterial und der nötigen Anstrengung, ist sehr wohl möglich seine eigene Mischung zuzubereiten.

Ayahuasca wird hauptsächlich in zeremoniellen Situationen verwendet und viele glauben, dass irgendeine Art von Ritual ein absolut unumgänglicher Teil der Erfahrung ist. Da das Gebräu sehr stark sein kann, wird empfohlen Erfahrung in Sitzungen aufzubauen, die durch trainierte Experten geleitet werden, bevor man beginnt selbst zu experimentieren, und auch dann sollte man eine erfahrene Person bei sich haben.

Wenn Du weniger erfahren bist, solltest Du vorsichtig vorgehen und immer mit kleinen Mengen beginnen. Abhängig von deiner eigenen Lebensauffassung, solltest Du mit verschiedenen religiösen, spirituellen oder therapeutischen Techniken experimentieren und abwägen, wie sie deine Erfahrung beeinflussen.

Links/Weiterlesen:

- Über die Ursprünge von Ayahuasca: Singing to the plants (Englisch)

- Medizinische Studien über Ayahuasca: Ayahuasca literature compilation (Englisch)

- Ayahuasca und transpersonelle Psychologie: Ayahuasca Open Style (Englisch)

Quellen

Dieser Artikel basiert auf den folgenden Quellen:

- Das Buch „Singing to the Plants“ von Stephan Beyer (2009).

- Sérgio Brissac. „In the Light of Hoasca: an Approach to the Religious Experience of Participants of the União do Vegetal.“ Fieldwork in Religion, 2, 3 (2006): 319-349.

- DMTsite

- Barquinha Erfahrungsbericht

- Ayahuasca-Info

- Feldstudien des Autors

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Ayahuasca Analoga können in der Rubrik Psychedelische Kräuter gefunden werden.



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