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Hexenkräuter - Enzyklopädie

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Hexenkräuter

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Einleitung

Wusstest Du, dass Hexen existieren? Und, dass sie fliegen können? Indem sie sich mit Hexensalbe einschmieren (manchmal auch mit ihrem Besenstil), machen sie eine „astrale Reise“. Hexensalben waren im Mittelalter weitreichend bekannt und ihre Rezepte bestehen aus psychoaktiven Pflanzen, die in Europa einheimisch sind.

Viele der starken europäischen Kräuter sind in Vergessenheit geraten. Nicht nur weil sie unangenehme – manchmal sogar obskure – Wirkungen haben (speziell was die Mitglieder der Familie der Nachtschattengewächse betrifft). Mit dem Aufstieg des Christentums und später mit dem wissenschaftlichen Realismus, wurde die Kräuterheilkunde immer mehr als „Aberglaube“ abgetan.

Die Kenntnis von psychoaktiven Pflanzen und ihrer Anwendung war in eine lebendige Sicht der Welt eingebettet und die ausführenden Personen nahmen Methoden und Rituale in Anspruch, die man heute wohl als „schamanistisch“ bezeichnen würde.

Innerhalb der psychedelischen Gemeinschaft haben viele die schamanistischen Traditionen anderer Kulturen studiert. Aber was wissen wir eigentlich über die Kräuter und Pflanzen, die in Europa einheimisch sind?

Pflanzen der Nacht

Die berüchtigtsten Hexenkräuter sind Teil der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) – zu der auch Kartoffeln, Tomaten und Tabak zählen. Stechapfel (Datura stramonium), Schwarzes Bilsenkraut (Hyoscyamus niger), Tollkirsche (Atropa belladonna) und Alraune (Mandragora officinarum) waren nicht nur Zutaten der Hexensalben, sondern wurde auch bei Liebestränken, bestimmten Medizinen und als Gift verwendet.

Die Hauptalkaloide dieser Pflanzen sind Scopolamin, Atropin und Hyoscyamin. Die Konzentration unterscheidet sich per Pflanze. Bei milder Dosierung können sie oft einen gespenstischen Trip verursachen, der mehre Tage andauern und bei dem kurzfristiger Bewusstseins- (tiefer Schlaf) und Gedächtnisverlust auftreten kann.

Naturheilkunde und Hexerei

Die Zubereitung und Anwendung von Nachtschattengewächsen war nur ein Teil einer weitreichenden Naturheilkunde. Verschiedenste Arten von Pflanzen wurden aufgrund ihrer Heilkraft, um Lust zu erwecken (oder einzuschränken), zur Geburtenregelung (z.B. Abtreibung) oder als Gift verwendet.

Bis ins späte Mittelalter war es relativ gebräuchlich, um bei jedem Problem oder Gebrechen zu seinem lokalen Kräuterkenner zu gehen. Diese weisen „Pflanzenkenner“ gaben dir dann eine Salbe, Tinktur oder ein Getränk. Die Kräuterkunde wurde von rituellen Praktiken umgeben: Die Ernte wurde zur richtigen Mondphase eingeholt und von der richtigen Zauberformel begleitet, diese Elemente waren genau so wichtig wie die Anwendung des Krauts selbst. Teile von Pflanzen konnten auch als Amulett oder Talisman getragen werden, um böse Geister abzuwehren.

Den Beeren des Bittersüssen Nachtschatten (Solanum dulcamara) wurde beispielsweise nachgesagt, dass sie bösartiges Geschwätz fernhalten, wenn sie als Amulett getragen werden. Über einer Kindergrippe aufgehängt, schützen sie gegen Zauberei. Baldrian (Valeriana officinalis) war hauptsächlich als Aphrodisiakum bekannt: Indem man jemanden küsste und gleichzeitig ein Stück der Wurzel im Mund hatte, würde sich die andere Person sofort in einen verlieben.

Wermut (Artemisia absinthium) – die Hauptzutat in Absinth – wurde im Mittelalter als Lebenselixier verwendet, um Wunden zu behandeln und Würmer zu vertreiben. Beifuss (Artemisia vulgaris) war ein wichtiges Kraut für Frauen, um die Menstruation auf Trab zu bringen oder eine Geburt zu beschleunigen. Gefleckter Schierling (Conium maculatum) ist eine der giftigsten Pflanzen in Europa und wurde verwendet, um Menschen zu töten. (Sokrates wurde zum Tode durch einen Becher dieser Pflanze verurteilt).

Wenn man den ebenso giftigen Blauen Eisenhut (Aconitum napellus) für Heilzwecke verwenden will, muss er rituell geerntet werden. Die Pflanze muss im Mondschein gepflückt werden, nachdem der richtige Zauber ausgesprochen wurde. Man glaubte, dass dies der einzige Weg war, um die magischen Kräfte der Pflanze zu erhalten.

Dies sind nur einige Beispiele. Solche Traditionen gehen auf die Zeit vor der klassischen Antike zurück und kamen bei allen europäischen Völkern vor, von den Slawen und Germanen bis zu den Kelten und Wikingern. In den nordischen Kulturen hatte die Völva grosses Ansehen: Diese weisen Priesterinnen und Seherinnen sangen Lieder, um in einen Zustand der Ekstase zu gelangen, sie konnten die Vergangenheit deuten und Prophezeiungen für die Zukunft aussprechen.

Die Alruna spielte sowohl bei den germanischen Stämmen als auch bei den keltischen Druiden die gleiche Rolle. Mit ihrer Kenntnis der Kräuter und ihren schamanistischen Praktiken hatten diese weisen Frauen und Männer die Macht über Leben und Tod, Krankheit und Gesundheit. Sie fungierten als Heiler und rituelle Führer. Unsere Vorstellung von „der Hexe“ basiert auf ihnen.

Das Ende der Naturreligion

Mit dem Aufstieg des Christentums, wurden „heidnische“ Bräuche erst teilweise übernommen und später langsam unterdrückt. Wo das Christentum Einfluss gewann wurde heidnischen Festtagen ein christlicher Name gegeben und christliche Heilige nahmen den Platz von heidnischen Göttern und Göttinnen ein. Die Kräuterheilmittel blieben, obwohl die dazugehörigen Zaubersprüche mit Reimen über beispielsweise christliche Heilige ersetzt wurden.

In einem Dokument für Missionare aus dem 8. Jahrhundert wurden u.a. „das Singen magischer Lieder“, „Rituale und Opferungen in den Wäldern“ und „Prophezeiungen und die Verwendung von Orakeln“ verboten – was darauf schliessen lässt, dass diese Bräuche weitgehend Verwendung fanden.

Hexenjagden

Für lange Zeit tat die Kirche Hexerei als Aberglaube ab. Das änderte sich im Mittelalter. Die Kirche versuchte die feudale Gesellschaft fester in den Griff zu bekommen und gründete die Inquisition, um alle Arten von Ketzerei zu bekämpfen.

Am Ende des 14. Jahrhunderts wütete die Pest über Europa und vernichtete eine Drittel der Bevölkerung. Erschwerend kommt noch dazu, dass die Schiffe von Kolumbus Syphilis aus der Neuen Welt zurückbrachten. Diese sexuell übertragene Krankheit trieb eine unglaubliche Angst vor Sexualität und sexuellem Kontakt an.

Emsig wurde nach einem Sündenbock gesucht, dem man die Schuld für alles Elend geben konnte, und „die Hexe“ war ein leichtes Opfer. Die Inquisition propagierte die Idee der Hexe als Teufelsanbeterin: Sie soll einen Pakt mit dem Teufel gemacht haben, der am Hexensabbat besiegelt wurde – dieses Ereignis wurde als sexuelle Orgie dargestellt. Die Hexe wurde nicht nur für Krankheiten und Tod verantwortlich gemacht, sondern auch für alle möglichen Naturkatastrophen, die vorkamen, und für das bereitwillige Sabotieren der Ernte.

Der Begriff der „Hexe“ wurde durch die Inquisition entwickelt und fungierte als Gegenstück zum „guten Christen“. Trotzdem kamen Hexenjagden eher auf lokaler Ebene vor, wenn Nachbarn einander beschuldigten. Üblicherweise waren die unmittelbaren Motive für einen gerichtlichen Prozess saure Milch, ein totgeborenes Baby oder Missernten.

Die Hexenjagden standen nicht zwangsläufig mit der Pflanzenheilkunde in Zusammenhang. Trotzdem war die lokale Kräuterfrau, als direkte Gegenspielerin des Priesters, besonders in Gefahr dämonisiert zu werden. Zwischen 1450 und 1750 wurden 40.000 bis 50.000 „Hexen“ gefoltert und hingerichtet. Die meisten von ihnen waren Frauen.

Wissenschaft und Religion: Kontrolle über die Natur

Innerhalb der vorchristlichen Traditionen ist die Natur der direkte Ausdruck des Göttlichen. Steine und Flüsse werden von Geistern der Götter bewohnt und sind deshalb heilig. Auch Pflanzen haben Geister, wodurch es möglich ist mit ihnen zu kommunizieren. Deshalb darf die natürliche Welt durch die Menschen nur respektvoll (rituell) behandelt werden.

Mit dem Christentum änderte sich das: Der Mensch erhielt die Macht über die Natur und durfte sie nach seinem Belieben benutzen. Die Natur war nicht länger göttlich, sondern etwas das kontrolliert werden musste. Die Wildnis und seine Völker – wie die Völva und Alruna – waren nicht mehr heilig, im Gegenteil, sie wurden als gefährlich erachtet.

Dieser Paradigmenwechsel entfaltete sich langsam. Bereits im 4. Jh. v. Chr. verwarf der griechische Arzt Hippokrates das magische Denken, das mit der Anwendung von Kräutern verflochten war. Er basierte seine Methoden ausschliesslich auf direkte Observation der Natur und wird deshalb als Gründervater der modernen Medizin angesehen.

Trotzdem bleibt die Kräuterheilkunde bis ins späte Mittelalter von Ritualen und Zauberformeln umgeben. Erst während der Renaissance und später der Aufklärung wurden diese „rationalen“ Ideen weiter entwickelt. Die Wissenschaft wird zum Instrument, um die Natur zu beherrschen. Laut Hippokrates konzentriert sich die moderne Medizin nur auf die biologischen Ursachen einer Krankheit. Die Chance, dass sie ein Ritual als Teil einer Behandlung verschreibt, ist überaus klein.

Zeitgenössische Hexerei

Trotz der starken Einflüsse von Religion und Wissenschaft, halten einige Ströme innerhalb der europäischen Kultur an den Ideen der Hexerei und Magie fest. Auf der einen Seite werden Volkstraditionen von Generation zu Generation weitergegeben. Auf der anderen Seite gibt es eine Reihe von esoterischen Bewegungen, die auf den neoplatonischen und hermetischen Schriften der späten Antike aufbauen.

Gleichzeitig mit dem Aufstieg der modernen Wissenschaften blüht auch das intellektuelle Interesse an der Magie auf. Innerhalb der Esoterik wurde sie als eine der drei „traditionellen Wissenschaften“ angesehen. In den esoterischen Schriften wird zwischen verschiedenen Formen der Magie unterschieden: Die Kräuterheilkunde zählt zur natürliche Magie und steht der zeremoniellen Magie gegenüber, die von komplexen Ritualen Gebrauch macht.

Gerald Gardner ist der erste, der sich selbst als „Hexe“ proklamiert, als 1951 das letzte Hexerei Gesetz in England abgeschafft wird. Er behauptete, in die traditionellen Hexenzirkel eingeweiht zu sein, deren Faden sich durch die Geschichte zieht. Das ist jedoch nicht bewiesen und der herrschenden Meinung zufolge ist die Hexerei eine neue religiöse Bewegung, die durch alte Quellen inspiriert ist.

Sie baut direkt auf Volkstraditionen und esoterische Ideen auf, ist aber auch vom Buddhismus, Feminismus, Yoga und schamanistischen Traditionen anderer Kulturen beeinflusst. Der "Gospel of Aradia" ist eine wichtige Quelle aus dem Volkstum, der die Gestaltung der zeitgenössischen Rituale beeinflusst. Dieses Buch wurde Ende des 18. Jahrhunderts durch die Folkloristin Leland geschrieben und enthält Lieder, Zaubersprüche, Beschwörungen und Geschichten über „die Alte Religion“ der Hexen („Strega“) aus Florenz, die ihr wiederum von anderen Praktizierenden übermittelt wurden.

Zeitgenössische Hexen lehnen die Idee einer institutionalisierten Religion ab und glauben, das man das Göttliche direkt erleben kann, indem man sich mit den Rhythmen der Natur abstimmt. Genauso wie ihre mittelalterlichen Kollegen haben die modernen Hexen oft eine Vorlieben für Pflanzen und Zaubersprüche. Eine Pflanze oder ein Kraut bezieht sich auf ein bestimmtes Element, Farbe oder Planeten und wird mit einem bestimmten Gott oder einer Göttin assoziiert. Auf diese Art bekommt das Verbrennen von bestimmtem Weihrauch eine rituelle Bedeutung.

Mit wenigen Ausnahmen verwenden die meisten modernen Hexen keine Psychedelika. Stattdessen bevorzugen sie bewusstseinsverändernde Techniken, wie Meditation, Visualisierung und Tanz, um einen Trancezustand einzuleiten, in dem sie ihre Magie ausüben können.

Pflanzenportraits: Die Nachtschatten im Detail

Gemeiner Stechapfel (Datura stramonium)

Den Gemeinen Stechapfel (datura or thornapple) kann man an seinen weissen oder violetten, kelchförmigen, spitzen Blättern und seinen dornigen Samenkapseln, die einer Kastanie ähneln, erkennen. Alle Teile der Pflanze können konsumiert werden. Normalerweise werden die Samen gekaut oder die Blätter als Tee eingenommen. Datura ist schwierig zu dosieren und man kann leicht zu viel einnehmen.

Die Pflanze verursacht einen dunkeln Trip, bei dem man oft vergisst, was man eigentlich zu sich genommen hat. Niedrige Dosierungen wirken betäubend und haben eine narkotische Wirkung, Höhere Dosierungen führen zu einem Zustand von Unzurechnungsfähigkeit, der von Unruhe, Verwirrung und Halluzinationen charakterisiert wird.

In Europa wurden die Samen manchmal in Bier gemischt, um es narkotischer zu machen oder als Weihrauch verwendet. Der Gemeine Stechapfel wird gelegentlich immer noch von waghalsigen (oder schlecht informierten) Jugendlichen eingenommen, die auf der Suche sind nach einem billigen Trip – oft mit desaströsen Konsequenzen. Wie alle Nachtschattengewächse kann auch die Datura bei einer Überdosis tödlich sein.

Scopolamin, das Hauptalkaloid in Stechapfel, ist auch der Hauptbestandteil der Brugmansia- und anderer Datura-Gattungen. Auf der ganzen Welt werden diese Pflanze in zeremoniellen Zusammenhängen verwendet, beispielsweise von Schamanen im Amazonas. Diese Pflanzen werden ausserdem regelmässig benutzt, um Menschen zu verführen: Im Rausch verliert man seinen Willen und kann einfach manipuliert werden. Zusätzlich vergisst man oft, was während dem Rausch passiert ist.

Schwarzes Bilsenkraut (Hyoscyamus Niger)

Das Schwarze Bilsenkraut ist ein einjähriges oder zweijähriges Kraut mit blassen, glockenförmigen Blüten. Die Blüten und Blätter werden als sedatives, schmerzlinderndes Betäubungsmittel bei Operationen verwendet. Das schwarze Bilsenkraut ist das stärkste, jedoch gibt es auch eine gelbe Sorte. In den Niederlanden kommen sowohl Datura als auch Bilsenkraut in der Wildnis vor.

Die Wirkung von Bilsenkraut beginnt mit einem Druckgefühl auf den Kopf. Manche beschreiben es als ob die Augenlieder mit Gewalt geschlossen werden würden. Ungewöhnliche visuelle Halluzinationen treten auf. Beim Einatmen des Rauchs der Samen tritt eine Taubheit der Augen und Ohren auf.

In Europa wurde Bilsenkraut bei Menschen als Foltermittel oder zur Vollstreckung eines Todesurteil angewandt. Es versetzte sie in einen Zustand vollkommener Vergesslichkeit.

Alraune (Mandragora officinarum)

Die Alraune ist eine mediterrane Pflanze. Da ihre Wurzel einem menschlichen Wesen ähnelt, wurden ihr übernatürliche Kräfte zugesagt. Ein Stück der Wurzel wurde oft als Amulett getragen. Im Mittelalter gab es eine grosse Nachfrage für diese Pflanze. Zu einem gewissen Zeitpunkt wurde sie so selten, dass auch Fälschungen auf den Markt kamen.

Die Ernte der Alraune wird von Mythen umgeben. Sie musste zu Vollmond in einem rituellen Zirkel stattfinden. Während dem Herausziehen aus der Erde, soll die Pflanze einen Schrei ausstossen, der tödlich ist für die Person, die ihn hört. Deshalb wurde diese Aufgabe von einem Hund ausgeführt, der mit einem Stück Strick an die Wurzel gebunden wurde. Den Erzählungen zufolge überlebte der Hund nicht.

Die Alraune wurde hauptsächlich in Wein extrahiert. Man konnte aber auch ein Stück der Wurzel kauen. Die Wirkung ähnelt jener der Datura. Die Alraune ist ein Betäubungsmittel und giftig. Körperlich fühlt man sich gut, aber man verliert den Verstand. Sie kann deshalb auch verwendet werden, um Menschen zu manipulieren und war eine beliebte Zutat für Liebestränke.

Der Besitz der Wurzel wurde mit Hexerei assoziiert und konnte gefährlich sein: In Hamburg wurden deshalb 1630 drei Frauen zum Tode verurteilt. Der Name der germanischen Seherinnen (Alruna) stammt direkt von der Pflanze (Alraune) ab. Sie verwendeten die Pflanze, um in einen prophetischen Trancezustand zu gelangen.

Tollkirsche (Atropa belladonna)

Der lateinische Name der Tollkirsche (Belladonna) bedeutet wörtlich „schöne Frau“. Die Pflanze war im Altertum für ihre pupillenerweiternde Wirkung bekannt. Frauen kochten einen Tee und träufelten einige Tropfen in ihre Augen, um attraktiver zu werden. Dies war jedoch nicht ungefährlich: Verschwommen Sicht war eine häufige Nebenwirkung und dauerhafte Anwendung konnte zu Blindheit führen.

Die Erweiterung der Pupillen ist eine Eigenschaft von Atropin, dem Hauptalkaloid der Pflanze. Wie die anderen Hexenkräuter enthält auch die Tollkirsche Scopolamin und Hyoscyamin.

Die Beeren wurden gegessen oder aus den Blättern ein Extrakt gemacht. Die Wirkung der Tollkirsche kann als Traum, der für wirklich gehalten wird, beschrieben werden. Der Anwender wird vorübergehend verrückt, und man vergisst, dass die Ursache dafür bei der Pflanze liegt.

Wie andere Nachtschattengewächse war auch die Tollkirsche oft eine Zutat von Hexensalben. Den Beeren wurde nachgesagt, dass sie fähig waren einen Menschen in ein Tier zu verwandeln.

Andere Psychedelika aus der europäischer Erde

Es gibt zusätzlich zu den Nachtschattengewächsen viele Psychedelika, die in Europa vorkommen, wie den Fliegenpilz (Amanita muscaria), Psilocybin enthaltende Pilze – wie den Spitzkegeligen Kahlkopf (Psilocybe semilanceata) – und Cannabis.

Der typische Fliegenpilz – rot mit weissen Punkten – kommt auf der ganzen Welt vor. Heute wissen wir von der rituellen und schamanistischen Anwendung in Sibirien, Indien, Zentral- und Nordamerika. Der Fliegenpilz, der in Birken- und Kiefernwäldern wächst, wurde gelegentlich als Zutat zu Hexensalben erwähnt, in Europa war seine Anwendung jedoch weniger geläufig als die der Nachtschattengewächse. Wahrscheinlich weil der Amanita lange (irrtümlicherweise) als „hochgiftig“ galt.

Die Hanfpflanze stammt ursprünglich aus Asien, wächst jedoch heutzutage auf der ganzen Welt. Die Skythen brachten sie im 5. Jh. v. Chr. nach Europa. Herodot beschreibt, wie sie den Rauch der Cannabissamen einatmeten, um sich während eines Begräbnisrituals zu reinigen. Bis zu welchem Grad sie von den Dämpfen „berauscht“ wurden, ist diskussionswürdig.

Trotz vieler Spekulationen gibt es wenig Beweise für die Anwendung von Cannabis aufgrund seiner psychoaktiven Wirkung. Wir wissen, dass Hanf hauptsächlich für andere Zwecke benutzt wurde: Aus den Fasern konnte man gut Seile bzw. Kleider herstellen und die Hanfsamen dienten als Nahrungsmittel. Ausserdem wurden der Pflanze mehr als hundert medizinische Eigenschaften zugeschrieben. Im 12. Jahrhundert beschrieb beispielsweise die christliche Nonne und Kräuterkennerin Hildegard von Bingen, wie Hanf als Heilmittel gegen Magenkrämpfe und zur Behandlung von Wunden verwendet werden kann. Andere mittelalterliche Quellen erwähnen Hanf als Heilmittel für Geschwüre und Tumore.

Ebenso wenig gibt Quellen zu einer möglichen (rituellen) Anwendung von Psilocybin Pilzen (die eigentlich aus Europa stammen). Seltsamerweise scheint die Wirkung der Pilze erst kürzlich entdeckt worden zu sein. (Lies mehr zu diesem Thema in unserem Artikel zur Aufzucht von Mushrooms).

Also, wie ist das mit der Hexensalbe?

Um die Hexensalbe zuzubereiten, wurden die Nachtschattenpflanzen in Fett geschmort. Dazu wurde üblicherweise Schweine- oder Gänsefett verwendet, laut Inquisition jedoch war Babyfett unter den Hexen beliebter. Neben Bilsenkraut, Stechapfel, Tollkirsche und Alraune (diese werden in mehreren Rezepten erwähnt) wurden auch andere Pflanzen zum Rezept hinzugefügt, wie Blauer Eisenhut (Aconitum napellus), Gefleckter Schierling (Conium maculatum) und Taumel-Lolch (Lolium temulentum). Auch der Fliegenpilz (Amanita muscaria) und Cannabis (Cannabis sativa) kommen in manchen Rezepten vor.

Eine weitere wichtige Zutat war Schlafmohn (Papaver somnifernum). Es besteht eine antagonistische Wirkung zwischen den Opiatalkaloiden in Opium und den Tropanalkaloiden in den Nachschattengewächsen: Sie werden oft als Gegenmittel füreinander verwendet. Das Hinzufügen von Opium macht die Hexensalbe weniger giftig und bewirkt einen traumartigen Zustand, der auch zum Erfahren des Trips beitragen kann.

Die Salbe wurde auf die Haut geschmiert , vor allem auf sensible Stellen, wie den Unterarm, Stirn und Schläfen und der Schamgegend. Angeblich bestand eine sehr effektive Methode die Salbe wirken zu lassen darin, den Besenstil (oder ein anderes Objekt) einzuschmieren und ihn dann zu „reiten“. Man glaubte, dass berauschte Hexen mit den Geistern kommunizieren und sich selbst in Tiere verwandeln konnten.

Heutzutage werden Nachtschattengewächse kaum noch verwendet. Mit Ausnahme einiger tapferer (oder sollten wir sagen tollkühner?) Abenteurer, entscheiden sich die meisten Psychonauten für leichter zugängliche und „benutzerfreundliche“ Optionen. Wir raten dringend davon ab, mit diesen Pflanzen und Kräutern selbst zu experimentieren. Obwohl die Pflanzen legal sind und oft in der wilden Natur wachsen, können sie schon bei einer niedrigen Dosis tödlich sein und permanente Unzurechnungsfähigkeit verursachen.

Geschrieben von Juniper

Mehr Informationen:

– Is the war on drugs a modern witch hunt? The religion that has no name. The persecution of psychedelic spirituality Von Cognitive Liberty UK.

– Vice Doku über Scopolamin. The world’s scariest drug

Quellen:

– Phyllis Curott. Heksenkunsten. Een rituele gids voor een magisch leven. 2002 (2001). Uitgeverij Luitingh Sijthoff B.V. Amsterdam.

– Steef Davidson. Drugs, Kruiden van hemel en hel. 1982. Uitgeverij Helmond B.V. Helmond.

– Gerben Hellinga und Hans Plomp. Uit Je Bol. Gezond verstand bij het gebruik van bedwelmende middelen. 2011 (1994). Prometheus, Amsterdam.

– T. M. Luhrmann. Persuasions of the Witch’s Craft. Ritual Magic in Contemporary England. 1991 (1989). Harvard University Press, Cambridge Massachusetts.

– Claudia Müller-Ebeling, Christian Rätsch und Wolf-Dieter Storl. Witchcraft medicine 2003 (1998). Inner Traditions International.

– Dale Pendell. PharmakoGnosis. Plant Teachers and the Poison Path. 2010 (2005). North Atlantic Books, California.

– Christian Rätsch. Encyclopedia of Psychoactive Plants. 2005 (1998). Inner Traditions International.

– Pamela J. Stewart und Andrew Strathern. Witchcraft, Sorcery, Rumors and Gossip. 2004. Cambridge University Press.

– Wolf-Dieter Storl. The Herbal lore of Wise Women and Wortcunners. The Healing Power of Medicinal Plants. 2012. North Atlantic Books, California.

– Richard Evans Schultes, Albert Hofmann und Christian Rätsch. Plants of the Gods. Their Sacred, Healing and Hallucinogenic Powers. 2001 (1992). Healing Arts Press.



Kommentare

  • Feel 27-06-2008 12:48:21

    Great! Our universe is expanding.
    God, i miss those dried hawaians.
    Stop the hipocrit war on drugs!


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